Datum: 10.06.2011 17:09
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(von Michi_)
... ist Ehrensache. Und so zogen acht Magdeburger Kletterer mit tatkräftiger Unterstützung unserer Motivationskünsterlin aus Halle in den Süden Richtung Ingolstadt. Zumindest fast...
Denn einerseits sind die schönen (nord-)fränkischen Wände nicht ganz so südlich und andererseits hat sich Matze gedacht, er müsse unbedingt an Herrentag gen Norden reisen um sich in Potsdam ein neues Auto zu kaufen. Naja, einen guten Auto-Geschmack hat er ja immerhin.
Und da wir mit Chefkoch Jens auch einen Quasi-Local dabei hatten und sich unser Grillmeister Peter sowieso in allen Klettergebieten in und um Deutschland auskennt, kamen wir am Donnerstag mittag auch zielstrebig im Kleinziegenfeldertal an. Ungestüm und voller Kletterlust stürzten wir uns so schnell an den Felsen, dass der Schreiberling sogar den Namen der Wand vergessen hat.
Irgendwas mit Rot... aber ob das nun rote Wand, roter Fels oder roter Berg hieß, das wissen nur die Götter... und Peter. Vielleicht nennen wir ihn einfach in Anlehnung an Stephans Zehen roter Fuß.
Allgemein fällt es doch im Nachhinein recht schwer, wann wir an welcher Wand waren und wie die dann auch noch hieß. Jedenfalls verliesen wir nach einer Nacht auf dem Zeltplatz das Kleinziegenfeldertal mitsamt seinen vorerst letzten Duschmöglichkeit und machten uns auf den Weg nach Gösweinstein mit seinem schier unerschöpflichen Felsrepertoire in nächster Umgebung. Der schöne Biwakplatz in der Nähe tat natürlich noch sein übriges hinzu, auch wenn aus der Motivationskünstlerin ausnahmsweise ein Moralapostel wurde und somit die Jesus-Statue weiter auf ihre erste Besteigung warten muss. Ihr sei verziehen, und ihr wurde spätestens wenn sie ihre Hängematte wieder ausgepackt hat auch verziehen. Neben lustigen Zusammensitzen auf dem Biwakplatz mit exkulsiven 3-Sterne-Essen von Jens und den fleißigen Küchengehilfen - es wurde gemunkelt, dass manch Student schon wochenlang nicht mehr so gut und ausgeglichen gegessen hat -, viel Reden und auch nicht zu wenig Bier wurde natürlich an Tag zwei und drei auch noch geklettert.
Am zweiten Tag ging es zu den Eibenwänden, einem "kleinen" (Schulter-)Riss und Verschneidungsparadies mit einer Bewertungskultur, die der Magdeburger gar nicht mal so unähnlich ist. Die Bayern-Verschneidung ist wohl ebenso wenig eine 6 als unser Windows 99 auf Struktur. Das zog sich zwar so mehr oder weniger durch die ganze Wand, hat uns aber nicht weiter gestört. Wo sonst gibt es denn schon an einer Wand zwei Routen mit dem Peter-Müller-3-Smiley-Prädikat?!
Am dritten Tag ging es an den Röthelfels und während sich die Kaminliebhaber das eine oder andere ausgiebige Gipfelerlebnis gegönnt haben und Peter sein übliches Tagespensum von 8-10 Routen im siebten Grad abarbeitete, gingen Christian und ich auf Kurt-Albert-Klassiker Jagd.
*Achtung ausgiebig Routen-Lob-Dudelei folgt*
Es soll die einzige Wegbeschreibung bleiben, aber bei einer Route die 5 von 3 Sternen verdient hat, komm ich einfach nicht vorbei... die Dabeigewesenen können es sicher schon ahnen, es handelt sich um die ca. 30m lange Kurt Albert Route Kumulus (7). Beginnend auf einem kleinen Band startet die Route mit einer leicht liegenden Platte mit sehr schönen Bewegungen an kleinen Löchern und zwei Bohrhaken auf knapp 15m. Vorbei an einem rostigen Ring (Oh, ich danke dir, du Herr der rostigen Ringe) geht es in den ausdauernden zweiten, überhangenden Teil der Wand. An wenigen, aber guten Löchern geht es dort die letzten 10m an drei Bohrhaken hoch zum Felskopf. Ein Bewegungsfeuerwerk! So schön, dass ich mir gleich einen Griff mitnehmen musste. Dummerweise ist mir dieser vor lauter Schreck beim darauf folgenden 10m Sturz gleich wieder aus der Hand gefallen. Ärgerlich über den versauten Onsight, aber es ist wahrlich keine Strafe die 10m noch mal klettern zu müssen. Achso, habe ich schon erwähnt, wie toll alte, verrostete Ringe sind? Ohne diesen, in einem kurzen
Moment des "Hui, bin ich weit über den letzten Haken - HUUUII, bin ich weit unter dem nächsten Haken", mit einer Bandschlinge in die Route reinverlängerten Ring wäre der Sturz wohl nicht so glimpflich ausgegangen und hätte erst nur zwei, drei Meter über dem Band geendet. Nichtsdestotrotz eine Traumroute, die ich jedem empfehlen kann!
*Lob-Dudelei Ende*
Am vierten und letzten Tag waren zwar weder wir noch die Brötchen frisch, nach der eiskalten Dusche im Freibad Gösweinstein am Vorabend aber wenigstens einigermaßen wohlriechend. So brachen wir auf zu den Schloßbergwänden um unsere Finger bei traumhaften Freibadwetter noch ein letztes Mal mit schönem Kalk zu verwöhnen. Dort hatte zwar irgendjemand mitten in der Wand seine bauchige Glasplatte vergessen, aber dafür gab es links und rechts davon viele schöne Routen in unseren "Breitengraden". Davon abgesehen, wann sieht man schon mal lebende Beispiele dafür wie ein Rücken auszusehen hat wenn man ne 9+ oder 10- klettern möchte. Das ganze Ding war eine aneinander Reihung von Boulderzügen von denen ich wohl keinen Einzigen hätte ziehen können. Aber egal, auch für uns Plaisir-Kletterer gab es genug zu tun und in unserem jugendlichen Übermut ist dann auch noch das eine oder
andere Erwähnenswerte gefallen. Sozusagen alle ACHTung, die Magdeburger kommen so langsam! ;-)
Fotos gibts leider keine, da wir entweder mit Klettern oder mit in der Hängematte sitzen und quatschen beschäfftigt waren =)
Datum: 01.07.2011 17:39
Bewertung: 0
Und es gibt sie doch! (Die Fotos)
Auf meinem blog unter blog.bastinat0r.de
Oder ungefiltert unter bastinat0r.de/klettern.zip
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