Sperlonga 2008
Es heißt ja immer man soll sich etwas für das neue Jahr vornehmen. Nach kurzem Überlegen waren wir, Timm, Timo, Nadine und Micha, uns einig. Unser guter Vorsatz für das Jahr 2009 ist: Klettern. Und um dieses Ziel möglichst schnell in die Tat umzusetzen, fuhren wir schon am 26.12.08 in Richtung Italien los. Gegen 19 Uhr starteten wir zu dritt in Magdeburg und Timo gabelten wir in Höhe Nürnberg, bei Burger King, auf, denn die weihnachtlich fettgefressenen Bäuche sollten ja auch nicht zu kurz kommen.
Am nächsten Mittag erreichten wir Sabaudia, wo wir für die nächsten sieben Tage eine Ferienwohnung gemietet hatten. Da unser Vermieter aber noch nicht da war, besuchten wir „Guido“ in seiner Bar, kurz hinter Sperlonga (hat gar nichts mit unserem Magdeburger Großmeister zu tun). Eigentlich sollte es bei ihm einen kostenlosen Topoführer geben, aber sein Sohn Bruno führt jetzt das Geschäft und der hatte nur Kletterführer für 25,- €. Na ja, wat mutt, dat mutt.
Ein Stück weiter gibt es die Grotta dell‘ Arenauta, die uns wärmstens empfohlen wurde. Und ihrem Ruf wurde sie gerecht. Circa 15 Seilschaften tummelten sich in dieser „ersten Outdoorkletterhalle der Welt“, ein Klettermuss – wir kommen wieder.
Zurück in Sabaudia bezogen wir unsere kleine, nette, etwas verkitschte Wohnung. Küche, Stube, zwei Bäder und drei Schlafzimmer. Nadine wollte unbedingt eines mit Doppelstockbett, was ich bis heute nicht verstehen kann. Angeblich roch es in den anderen???
Als ersten bauten wir die Slackline im Garten auf und gönnten uns ein Feierabendbierchen. Zum Abendessen zauberte Timm lecker Nudeln mit Tomatensoße auf den Tisch und dazu gab es schlechten 4,95 €-Wein. Danach folgte ein ebenso schlechtes Fernsehprogramm mit Wührer-Bier, das wir spontan in Würger-Bier umtaufen mussten.
Am nächsten Tag wollten wir dann endlich mal Felsen anfassen. Unser Ziel war Leano. Nachdem wir den Parkplatz gefunden hatten ging es eine halbe Stunde, der roten Markierung folgend, steil nach oben. Man sieht wo man hin muss, aber der Weg zieht sich wie ein Schlüpfergummi. Das nächste Problem war, dass sich die Routen vor uns zu verstecken schienen. Und als wir nach einer weiteren halben Stunde dann doch eingestiegen waren, fing es an zu pissen, na Danke schön. Der Abstieg entwickelte sich dementsprechend zur Rutschpartie und unten angekommen waren wir alle klitschnass und durchgefroren. Zurück in unserem Feriendomizil freuten wir uns auf eine schöne heiße Dusche, aber denkste, diese Krücke förderte den ganzen Urlaub nur laukaltes Wasser zum Vorschein. Na dann wollten wir wenigstens zünftig italienisch essen gehen, ins „Il Paradiso“. Insalata Mista, mmh, das klingt lecker und was kam, ein kleiner Teller Blattsalat mit einer halben aufgeschnittenen Tomate, Supi. Den Männern erging es etwas besser, aber bei Pizza kann man so viel nicht falsch machen. Eine ausgiebige Stadtbesichtigung im Anschluss endete auch relativ schnell, da einfach nichts los war. Zu Hause standen wir vor der Frage: Was tun? Neben Fernsehen und lesen, gab es nur noch ein, zwei Gesellschaftspiele. Und so wollte der Timm zwar sechs Mal nicht gegen Timo in Dame gewinnen, hat er aber. Fazit des Tages: Kann nur besser werden.
Wurde es dann auch. Mit Rührei und Kaffee gestärkt trennten wir uns heute, Timm und Timo setzten wir nahe Gaeta ab. Ihr Ziel war „La Croce del Sud“ eine 100m-Tour direkt über dem Meer. Und wir wollten nach Approdo dei Proci, ein paar kurze Routen klettern. Am Ende waren es acht Wege in teilweise abgespeckter Form, aber insgesamt schön. Was zu bemängeln wäre, war die Sauberkeit im Gebiet. Die Leute campen dort direkt am Felsen, nutzen jede Nische als Schlaf- oder Kochstelle und hinterlassen ihren Müll, wo sie gehen und stehen. Ein echtes Armutszeugnis. Unangenehm in anderer Hinsicht waren die Sandkörnchen, die sich aufgrund des starken Windes in allen Körperöffnungen wiederfanden. Und wenn ich sage in allen, … nun gut, nach einer heißen Dusche abends, … ach Sch… da war ja noch was. Unsere beiden 100-Meter-Kletterer empfingen uns mit einem breiten Grinsen im Gesicht, was hieß, dass ihre Begehung ebenfalls befriedigend gelaufen war. Entspannungsprogramm bot ein Stadtrundgang durch Sperlonga, welches sich als liebenswertes und sehr fotogenes, kleines Nest herausstellte. Zum Abendessen waren wieder Timm’s Kochkünste gefragt. Diesmal überraschte er uns mit einer Kreation von Käsesorten auf Salat und italienischen Teigwaren verfeinert mit einer vegetarischen Sauce. „Rund“-um zufrieden endetet ein erfolgreicher Tag.
Der Dienstag sollte unter dem Sperlonga-Stern stehen. Wir parkten unweit von Guido’s Bar und machten uns an den Aufstieg, der schwerer erschien, als er letztendlich war. Nadine und ich begannen im leicht überfüllten Sektor 1 und unsere Doppel-T’s zog es direkt in die Mehrseillängenwand des vierten Sektors. Durch Neuerschließungen ist eine Orientierung etwas kompliziert und man muss schon mal die Hände aus den Hosentaschen nehmen, da ganz schön knackig bewertet wurde. Mein Fazit: Kletterspaß für mehrere Wochen - komme wieder. 16.45 Uhr machte ich mich mit Nadine auf den Rückweg und wir erreichten im Dunklen Guido’s Bar. Die Kneipe war voll mit Kletterern, nur unsere beiden fehlten. Doch zwei Kaffee und ein himmlisches Bier später gab die Dunkelheit auch diese frei. Wir saßen noch eine ganze Weile und erzählten von unseren bestandenen Abenteuern, bevor uns der Hunger nach Hause trieb. Stupide belegte Stullen mit Salat und reichlich Männermilch versüßten uns den Abend und Timo sogar die Nacht, da dieser vor dem Fernseher einzuschlafen pflegte.
Trotzdem schwang er sich am Silvestermorgen auf’s Rad, besorgte Brötchen und überraschte uns Langschläfer mit lecker Frühstückseichen. Na ja, Langschläfer in Anführungsstrichen, denn um 10 Uhr waren wir on the road again. Der Monte Circeo, auf 541m Höhe sollte es heute sein. Im Kletterführer sollte stehen: Folgt vom Parkplatz aus, circa eine Stunde und 100 Höhenmeter der roten Markierung und den Steinmännchen und ihr erreicht mit viel Ausdauer die ersten Kletterrouten. Uns beiden Hobbyalpinisten reichte das vollkommen und wir blieben dort, aber Timm und Timo gaben es sich noch richtig und wanderten weiter zur „Via del Tetto“, einer 6 Seillängentour mit Kultcharakter. Besonders empfehlenswert war die Grotte im Sektor Monotiri. Das Wetter erlaubte sogar eine Oben-Ohne-Begehung der selbigen und das am letzten Tag des Jahres.
Um 15:40 machten wir uns an den 40minütigen Abstieg und probierten den Kaffee in San Felice, bis unsere Nachtwanderer, angeblich auf allen Vieren, den Berg herunter gestolpert kamen. Zurück in Sabaudia gab es ein schnelles Abendbrot und Styling für den Silvesterabend. Die erhoffte Abendgestaltung lautete: essen, betrinken und dann tanzen bis die Schuhe qualmen, doch in dieser Konstellation hätten wir etwa 100€ pro Person für ein Silvesterdinner hinblättern dürfen. Mit etwas Glück fanden wir noch eine Pizzeria in Terracino, wo wir Pizza ohne Abendprogamm bekamen. Doch so richtige Stimmung wollte nicht aufkommen. Also Planänderung: Mit ein paar Bierchen zum Marktplatz von Sabaudia und mit den Einheimischen, in großer Runde, ins neue Jahr starten. Die Realität: Wir standen alleine auf der Kreuzung, stießen mit Bierchen an und schauten auf ein vereinzeltes Feuerwerk. Happy New Year.
Weil es die ganze Nacht durch geregnet hatte, war an Neujahrsklettern nicht zu denken. Somit stand ein ruhiger Tag in Gaeta an. Die Highlights des Tage waren auf jeden Fall die Grotta del Turco, mit ihren tosenden Wassermassen und die Altstadt Gaetas.
Am Freitag hatte sich das Wetter zum Glück gebessert und somit konnte die, zu Beginn schon erwähnte, Grotta del Arenauta (Outdoorkletterhalle) in Angriff genommen werden. Nach einer 6a-Aufwärmtour pickte sich Timm, ohne Führer, einen Weg heraus, der knackig aber machbar und vor allem geil aussah. Ihm gelang der souveräne Durchstieg, während ich mich mühsam nach oben saß. Im Anschluss stellte sich heraus, dass es „Plàccati“ 7a war, Chapeau Timm. Danach kletterten wir noch eine 6c und eine 6b und während Timm immer fitter wurde, war ich nur noch platt. Da es in der Grotte auch immer voller wurde, wanderten wir, am Strand entlang, die 500 Meter ins Gebiet Approda dei Proci, wo Nadine und Timo in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen waren. Aber gemeinsam macht es eben mehr Spaß und weil es ja außerdem der letzte Klettertag in diesem Urlaub war, legten wir alle noch einmal richtig los.
Als dann in mir die Idee keimte, im geschätzt 10 Grad kalten Meer Anbaden zu gehen, wurden die anderen erst einmal ganz leise, aber nach etwas zureden sprangen dann doch drei Todesmutige in die rauschenden Wellen und Nadine am Ufer herum. Bei Guido trockneten wir uns mit Kaffee und Schoki. Später Daheeme sorgte Timm fürs leibliche Wohl.
Am letzten Morgen hieß es noch einmal früh aufstehen, 7 Uhr krähte der Gockel. Wir stärkten uns und kramten zusammen. 9 Uhr kam unser Zwei-Meter-Italiener (beeindruckende Größe für einen Italiener) mit einer bösen Überraschung. Wir durften 80,- € Gasrechnung, für sieben Tage, zahlen. Aufzumucken trauten wir uns aber nicht, er war stärker. Auf dem Weg zurück nach Deutschland wollten wir unbedingt noch einen Halt in Rom machen. Kleinen Tipp für alle Autofahrer: Verabschiedet Euch vorher von Eurem Gefährt, die fahren dort Extrem-Kamikaze. Ich habe definitiv mehr geschwitzt, als in so mancher Kletterroute. Ansonsten bot uns Rom: Menschenmassen, viel Regen, das Kolosseum, Warteschlangen, das Forum Romano, 5,-€ Kaffee (viel zu teuer), der St. Petersdom, lecker Eis, ... .
16.30 Uhr kamen wir müde beim Parkplatz an und der Autobahnmarathon begann von vorn. Zum Glück konnte ich mich mit Timo abwechseln, dem wir aber noch einen spontanen Abstecher nach Kassel verdankten, wo wir ihn, um 4:45, ablieferten.
Die restliche Fahrt gestaltete sich weiß und rutschig, aber das hatten wir aus Telefonaten mit den Daheimgebliebenen schon herausgehört. Um 11 Uhr erreichten wir dann endlich den sicheren Hafen und das wohlverdiente Bettchen.
Als kleines Resümee sei gesagt, wer seinen Weihnachtsspeck in wärmeren Gefilden abtrainieren möchte, für den ist die Gegend um Sperlonga eine super Alternative. Leider wissen das auch schon viele andere Kletterer und für die meisten dort ist Sauberkeit am Felsen leider ein Fremdwort. In dem Sinne, nehmt reichlich Mülltüten und vergesst Eure Badehose nicht.
Autor: Miachel Weidner (alias kackstift)
Veröffentlicht am 13.03.09
Benutzer online
Mitglieder: 0
Besucher: 9
Gesamt: 9





